Der tamilische Unabhängigkeitskampf gegen den sri-lankischen
Staatsterror ist kein „Terrorismus“
Liebe Schweizerinnen und Schweizer – Werte Medienschaffende
Wir, sind die Tamilen von Tamieelam (Tamileelam sind die nördlichen und östlichen Gebiete von der Insel Sri Lanka, welche die traditionelle Heimat der Tamilen ist) und leben seit über 30 Jahren in der Schweiz. Wir respektieren den Rechtstaat und Justiz dieses Landes und folgen den demokratischen Werten. Die zweite Generation Tamilen nimmt die Schweiz als ihr zweites Zuhause wahr und wir fühlen uns auch sehr mit der schweizerischen Mentalität verbunden.
Unseren Unabhängigkeitskampf, welcher gegen den sri-lankischen Staatsterror entstanden ist und den Schutz unseres Volkes und Landes zum Ziel hat, wird nun seit einiger Zeit von der offiziellen Schweiz als Terrorismus dargestellt. Unsere Befreiungskämpfer (Befreiungstiger von Tamileelam – LTTE) und ihren ehrenamtlichen Unterstützern von der Organisation «World Tamil Coordinating Committee – WTCC», die auch eine Abteilung in der Schweiz hat, werden als Kriminelle und Terroristen stigmatisiert. In diesem Zusammenhang entstand auch der Monsterprozess an dem Bundeskriminal-gerichtshof von Bellizona.
Die Anschuldigungen gegen die LTTE und WTCC lauten: 1) Die LTTE ist eine kriminelle Organisation. 2) Die LTTE beteiligte bei terroristischen Aktivitäten. 3) Die Mitglieder von WTCC hätten in der Schweiz den Tamilen für die Beschaffung der Spendengelder bedroht und erpresst. 4) Mit diesem Geld hätten Tamilen-Führer, die in der Schweiz leben, den Krieg in der Heimat verlängert und grausamer gemacht. 5) Mutmassliche Terrorfinanzierung.
6) Unterstützung oder Mitgliedschaft in einer kriminellen Organisation.
Wir würden keinerlei Anschuldigungen rechtfertigen, wenn diese Vorwürfe wirklich zutreffen würden. Aber wir in der Schweiz lebenden Tamilen lehnen alle diese Verleumdungen gegenüber LTTE und WTCC Mitgliedern und deren Unterstützern ab. Die Behauptung, dass sie mit Terrorismus und kriminellen Aktivitäten zu tun hätten, ist unhaltbar. Solche Vorwürfe sind rechtlich und menschlich unakzeptabel. Weder die LTTE noch die WTCC sind in der Schweiz kriminelle und terroristische Organisationen! Um unseren Unabhängigkeitskampf zu verstehen, müssen wir die Geschichte ein wenig zurückblickend betrachten.
Von den historischen Aspekten her gesehen ist es unbestritten, dass es auf der Insel Sri Lanka zwei verschiedene Nationen (Singhalesische Nation und Tamilische Nation) gibt. Dies war auch während der portugiesischen und niederländischen Kolonialzeit (von Mitte 15. Jahrhundert bis 17. Jahrhundert) der Fall. Später hat die britische Kolonialherrschaft die Insel erobert und für ihre geopolitischen und kolonialen Interessen beide Nationen „vereinigt“. Als die Briten im Jahr 1948 die Insel wieder verliessen, erhielten die mehrheitliche Singhalesen die Macht über das Land. Seither werden die Tamilen in Sri Lanka als Volk zweiter Klasse behandelt und entsprechend diskriminiert. So wurden z.B. rassistische Gesetze gegen Tamilen verabschiedet. Tamilen wurden und werden immer noch in der Gesellschaft über alle Sektoren hinweg kontinuierlich und systematisch benachteiligt.
Grund dafür ist die Ideologie nach dem singhalesischen heiligen Buche «Maha Vamsa», welches angeblich darlegen soll, dass nur die buddhistischen Singhalesen den souveränen Anspruch auf diese Insel haben. Dieser These wird nun konsequent und mit unglaublicher Brutalität Ausdruck verliehen durch die Machthaber auf dieser Insel. Mit der Zeit wurden diese Ansprüche der Machthaber durch einen den regelrechten systematischen Völkermord an den Tamilen durchgesetzt.
Im Jahr 1983 im Juli hatte sich die Situation zugespitzt und löste eine landesweite Gewalt gegen Tamilen aus. Dabei wurden Tausende von Tamilen durch den singhalesischen Mob ermordet. Über 8000 Häuser wurden niedergebrannt oder zerstört, 5000 Geschäfte niedergebrannt, über 150 000 Menschen wurden obdachlos, wirtschaftlich kostete diese von der Regierung organisierte Gewalt über 300 Millionen US-Dollar. Deshalb haben Tamilen seit 1983 angefangen zu flüchten. So sind wir auch in grösserer Anzahl in die freiheitliche Schweiz geflüchtet.
Leider versagten sämtliche Bemühungen, den Konflikt mit demokratischen Mitteln beizulegen, obwohl sich die tamilischen Organisationen dafür jahrelang vehement eingesetzt haben. Der Anspruch auf Asyl von tamilischen Flüchtlingen wurde ja damals speziell auch von der Schweiz sofort anerkannt, was ja aufzeigt, dass die Problematik verstanden wurde.
Leider ist der Konflikt trotz internationalen Bemühungen seitens der Tamilen bis heute ungelöst und die Drangsal der Tamilen hält unvermindert an. Um dieser Brutalität durch den Staatsterror etwas entgegen setzen zu können und das Leben der einheimischen Tamilen zu schützen, muss das tamilische Volk sich selber mit Waffen verteidigen. So entstand unser tamilischer Unabhängigkeitskampf.
Wir wollten unsere historische Heimat, die wir vor Kolonialzeit hatten, zurückerhalten und die gegen unseren Willen beraubte tamilische Souveränität in unserer Heimat wiederherstellen. Nur so können wir der Existenz unserer Nation und unseres Volkes sichern, weil immer noch ein Völkermord an Tamilen verübt wird.
LTTE waren unsere Befreiungskämpfer, sie konnten bisher 70% unserer von den singhalesischen Machthabern okkupierten Territorien zurückerobern, unser Land teilweise wieder aufbauen (Infrastrukturen wie Gerichtshof, Polizei, Schulen, Universitäten, Industrien, soziale Institutionen usw.), und bis 2009 wurde unser Land Tamieelam entsprechend von ihnen verwaltet. Wir in der Schweiz und in anderen Nationen lebenden Tamilen haben LTTE freiwillig finanziell geholfen und unser Know How für den Aufbau unseres Landes gegeben. Selbstverständlich wurde mit diesen finanziellen Unterstützungen auch der Bereich der Sicherheit auf- und ausgebaut. Das ist völkerrechtlich legitim, weil unsere tamilische Miliz unser Volk vor einem weiteren systematischen Völkermord schützt.
Wir wollen und liebten keine Gewalt, deswegen haben wir mit der intermediären Unterstützung von Norwegen von 2002 bis 2007 bei Friedenshandlungen mit grossen Willen an den Friedensverhandlungen teilgenommen. LTTE wurde bei diesen Friedenshandlungen als repräsentative Vertretung der Tamilen von der Schweiz und Weltgemeinschaft anerkannt. Sie haben unsere De-Facto Regierung akzeptiert. Die LTTE durfte in die Schweiz einreisen und in Genf in 2006 bei den Friedenshandlungen teilnehmen. Wenn die Schweiz heute LTTE als Terroristen bezeichnet, was war die LTTE damals? Wieso hat dann die Schweiz den sogenannten „Terroristen“ das Visum erteilt? Es stellt sich ja schon die Frage, weshalb dann mit den sogenannten „Terroristen“ überhaupt verhandelt wurde. Dies wohlvermerkt nicht im kleinen Kreise, sondern auf internationaler Ebene. Die Antwort liegt auf der Hand und die Absurdität der Anschuldigungen und der Wahrheitsverdrehung ist offensichtlich.
Wegen der strategischen Wichtigkeit von Sri Lanka haben folgende Mächte Einfluss und Interessen: Grossbritannien, USA, China, Europa und Indien, welche für ihre geopolitischen Interessen einen Einheitsstaat auf der Insel befürworten. Die tamilische Souveränität und die
von uns verwaltete Regierung stellt eine Hürde für diese Mächte dar. Die Europäische Union hat wegen des massiven Drucks von den USA und Grossbritannien LTTE als terroristische Organisation verboten. Dieses Verbot wurde allerdings letztes Jahr wegen mangelnder Beweise vom europäischen Gerichtshof wieder als nichtig erklärt.
Deshalb sollte die offizielle Schweiz diesen Gerichtsentscheid und das aufgehobene Verbot auch akzeptieren. Immer noch aber wird das inzwischen aufgehobene Verbot als Grundlage zur Rechtfertigung für die Verfolgung der Mitglieder der WTCC und LTTE verwendet.
Das EU-Verbot diente damals dazu, den Friedensprozess zu untergraben, um die wirtschaft-lichen Interessen der Mächte nicht zu tangieren und zu stören. Das schaffte dann die Bedingungen für die kriegerischen Konflikte. Das EU-Verbot war ein Teil des Problems und für uns Tamilen ein schwerer Fehler. Es hat eine Partei (sri-lankische singhalesische Regierung) motiviert, den Völkermord an Tamilen weiterzuführen. Diese Haltung dieser Grossmächte haben dazu geführt, dass die sri-lankische Regierung sich darin bestärkt fühlte, ihre eigenen Interessen – sozusagen legitimiert – durch einen völkermörderischen Krieg unser Land zu enteignen und die von uns verwaltete Souveränität zu vernichten. LTTE hat diesen Krieg damals aufgrund dieser Übermacht nicht gewinnen können und im Laufe der Auseinandersetzung in der letzten Kriegsphase ab 2008 verloren über 150.000 tamilische Bürger durch Ermordung ihr Leben.
Vor dem Krieg hat die offizielle Schweiz uns Tamilen als gleichwertige Gesprächspartner mit völkerrechtlichem Anspruch anerkannt. Nach dem Krieg stellt sie uns nun als angebliche Terroristen dar, bezieht damit auch unsere freiwilligen Unterstützer der LTTE und WTCC an den Pranger.
Gleichzeitig kooperiert sie aber mit der anderen Kriegspartei, welche weiterhin ein struktureller Genozid an Tamilen ausübt, und schliesst mit ihnen verschiedene Abkommensverträge (Bilaterale Abkommen und Migrationsabkommen) ab. Diese einseitige Haltung der Schweiz ist eine Unterstützung für die Siegerjustiz. Die offizielle Schweiz untersucht nun die „vermeintlichen Verbrechen“ der LTTE, ist sie aber im Gegenzug auch bereit, den Völkermord und alle anderen Verbrechen von der Regierung Sri Lanka zu untersuchen? Wir in der Schweiz lebende Tamilen kritisieren diese für uns ungerechte und schikanierende Haltung der offiziellen Schweiz.
Dieser sogenannte Monsterprozess ist eine reine Steuergeld-Verschwendung. So ein Prozess wäre nachvollziehbar, wenn er vor 2009 stattgefunden hätte, wo die LTTE noch existierte. Die LTTE existiert offiziell nicht mehr. Wieso will die offizielle Schweiz diesen Prozess jetzt unbedingt noch durchführen?
Für uns Tamilen liegt deshalb der Verdacht nahe, dass die offizielle Schweiz landesintern unsere demokratischen Anstrengungen für die Unabhängigkeit verbieten möchte. Wenn die Schweiz behauptet, das Spenden für WTCC eine Terror-Finanzierung sei, bedeutet dies, dass 90% der Tamilen in der Schweiz Terroristen sein müssen, weil diese ja alle vorher die LTTE unterstützt haben. So durch generalisiert die Schweiz alle Tamilen als Kriminelle und Terroristen.
Wir sind mit dieser Haltung der Schweiz nicht einverstanden und solidarisieren wir mit unserer Befreiungsmiliz (LTTE) und WTCC Kollegen. Wir appellieren deshalb an die offizielle Schweiz – wie damals zu Beginn der Friedensgespräche – ihre neutrale Position gegenüber den Tamileelam und Tamilen wieder einzunehmen.











